Der Dokumentarfilm Dancing Beethoven der spanischen Regisseurin Arantxa Aguirre begleitet die neun Monate dauernden Proben der Ballettfassung für Beethovens Neunte Sinfonie für eine Aufführung in Tokio nach einer Choreografie des 2007 verstorbenen Maurice Béjart. Dieser Film ist eine einzige Initiation, denn er zieht den Zuschauer nicht nur in die fremde Welt des Tanzes und der Musik, sondern auch in die Welt des Entstehens von Kunst, Schönheit und Toleranz. Neben dem energetischen Tanz und der visuellen Umsetzung von Beethovens Musik in Bewegung kommt in diesem Film alles vor, was einen Dokumentar- und Spielfilm ausmacht. Es geht um den gerichteten Blick, um das Verhältnis der Körper im Raum zueinander und um die Wahrnehmung der Musik im Zusammenhang mit der Bewegung der Körper. Wie hier die Bilder mit der Bewegung und der Musik miteinander verbunden sind, ist filmkünstlerisch nicht mehr zu überbieten. Die biografischen Episoden der Akteure des Filmes eröffnen eine Vorstellung davon, was für ein Wahnsinn, was für ein Luxus und was für eine Leidenschaft und Energie hinter solch eine Produktion stecken. Es ist ein Wunder und ein Geschenk, dass solche Kunst in einer Welt noch möglich ist, wo militärische, wirtschaftliche, religiöse und rassistische Konflikte an der Tagesordnung sind. Der Film macht über sein Thema hinaus deutlich, dass in der Kunst körperliche Unterschiede und weltanschaulichen Grenzen keine große Rolle mehr spielen und dass das Älterwerden oder eine Schwangerschaft nicht das Ende der Welt bedeuten müssen. Rhythmus und Timing der Bilder, der Tanz, die Musik und die Bewegung, die Gedanken der Tänzer, der Blick auf das Geschehen, all diese Bestandteile des Filmes lösen Assoziationen aus, in denen die ganze Welt enthalten ist. Dieser Film ist eine einzige Hymne an das Leben, an die Freude – ganz im Sinne von Beethovens Musik – und jeder, der diesen Film gesehen hat, wird die Welt mit anderen Augen sehen.