Serie „Banshee“

Das perfide an der Serie Banshee ist, dass die Konstruktion der Geschichte dazu benutzt wird, möglichst brutale Gewalt in Szene zu setzen. Ein nach 15 Jahren Gefängnis entlassener Häftling übernimmt in der Kleinstadt Banshee die Rolle des vor seinem Antritt erschossenen neuen Sheriffs. Der falsche Sheriff sucht seine Komplizin und Geliebte, mit der er vor seiner Festnahme Diamanten von deren Vater, einem russischen Mafiaboss, gestohlen hat. Die Geliebte hat mittlerweile einen Staatsanwalt geheiratet und zwei Kinder.

Die grundsätzlichen Bedingungen für einen dramaturgischen Spannungsbogen wären damit bereits in der äußeren Rollenbeschreibung geschaffen. Die Widersprüchlichkeit der Hauptfiguren zeigt sich im Sheriff, der zugleich ein gewalttätiger Schwerverbrecher ist, und die Frau ist Familienmutter, die ihren kriminellen Vater verraten und bestohlen hat. Der Sheriff erwartet ernsthaft, dass die Frau nach 15 Jahren ihre ganze bürgerliche Existenz aufgibt und mit ihren beiden Kindern zu ihm zieht, damit sie weiterhin ihre falsche Vergangenheit und er seine gefälschte Gegenwart verstecken kann.

Diese erzählerische Konstruktion würde nicht eines gewissen Reizes entbehren, wenn nicht jedes Problem in der Serie immer mit grausamster und brutalster Gewalt gelöst werden würde. Als ein Boxer bei einer Promotiontour für ein Casino ein Prostituierte vergewaltigt und Krankenhaus schlägt, wird er nicht einfach festgenommen, sondern vom Sheriff zum Krüppel geschlagen indem er ihm die Finger und Arme bricht. Hinzu kommt, dass der Sheriff seine kriminelle Energie keineswegs einstellt, sondern in ein Museum einbricht und einen Geldtransporter zu überfallen plant.

Die Geisteshaltung, dass gegen wirkliche Bösewichter Recht und Gesetz nichts mehr ausrichten können, sondern das Böse nur noch durch sich selbst bekämpft werden könne, ist dermaßen zynisch und menschenverachtend, dass sich jeder überlegen sollte, ob er diese Serie wirklich sehen möchte. Auf Bilder wie einem sadistischen Häftling der Penis abgeschnitten und die Augen aus dem Kopf gerissen werden, kann man wirklich verzichten.

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