Serie „How to get away with Murder“

1. Staffel

Das Konzept der Serie How to get away with Murder ist beeindruckend einfach und sehr vielversprechend. Die Jura Professorin Annalise Keating erklärt ihren Studenten an der Frage, wie man mit einem Mord davon kommt, das amerikanische Rechtssystem. Neben ihrer Lehrtätigkeit vertritt sie als Rechtsanwältin Klienten. Jedes Semester wählt sie vier Studenten als Assistenten aus, die dadurch einen praktischen Einblick in ihren zukünftigen Beruf bekommen sollen. Im aktuellen Fall vertritt sie die angeklagte beste Freundin einer ermordeten Studentin. Da der tatsächliche Mörder möglicherweise im engsten Umfeld von Annalise Keating zu finden ist, spitzt sich die Dramatik derart zu, dass es zu Gewaltausbrüchen und Todesfällen kommt. Gemäß dem Titel der Serie werden diese Todesfälle, ob gerechtfertigt oder nicht, gemeinschaftlich vertuscht. Die ganze Dramatik wird aus der Gruppendynamik erzeugt indem scheinbar eine homogene Gruppe vorgeführt wird, in der aber mehr als eine Person sehr abweichende Einzelinteressen hat. Es wird also Gelogen und Betrogen, dass sich die Balken biegen, und doch wird immer wieder die Solidarität der Gruppe als einzigen Schutz vor der bösen Welt da draußen beschworen. Obwohl die Protagonisten divergierende Einzelinteressen haben, verhindert die familienähnliche Beschwörung des Zusammenhalts die Entwicklung einer eigenen Haltung. Am Ende hat man als Zuschauer das Gefühl, hier stimmt etwas nicht, ohne genau zu wissen was. Wie aber die Professorin Keating als Übermutter ihre Studentenkids immer wieder auf Linie bringt indem sie manipuliert und lügt, ist dann doch ein Erzählen auf höherem Niveau.

 

2. Staffel

Auch in der zweiten Staffel von How to get away with Murder beschützt Jura-Professorin Annalise Keating ihre Studenten, die in der ersten Staffel an mehreren Todesfällen und Vertuschungen beteiligt waren. Neben diversen Mandanten, die sie mit ihrem Studententeam vor Gericht verteidigt, spult sich die Serie an der Frage auf, ob und wer Rebecca aus der ersten Staffel ermordet haben könnte. Annalise Keating lügt jeden ihrer Studenten und Mitarbeiter an, obwohl sie die Wahrheit kennt. Erst als ein Student jemand tötet, gibt sie ihr Geheimnis preis um einen ihrer Studenten dazu zu bringen, sie anzuschießen und die Polizei von der Wahrheit abzulenken. Wenn man nur einen Moment über diese Handlungsweise nachdenkt, wird klar, wie unglaubwürdig so eine Geschichte ist. Wie soll es bei einer so großen Gruppe von Figuren, die sich zum Teil nicht einmal ausstehen können, überhaupt möglich sein, diese Geheimnisse unter Verschluss zu halten? Das Erzählkonzept ist so gestaltet, dass jedes Ereignis immer wieder in sein Gegenteil verwandelt werden kann. Weder bei den Handlungsinhalten noch bei den Charakterisierungen der Protagonisten gibt es irgendeine Form der Kontinuität. Der Verlauf der Handlung wirkt dadurch beliebig und die Spannung bleibt auf der Strecke. Der Titel der Serie gibt das Programm ja vor, wie kommt man mit Mord und Totschlag in unmittelbarer Nähe der Anwältin und ihrer Studenten davon? Diese inhaltliche Herausforderung ist zwar aufwendig inszeniert und Viola Davis ist eine vielschichtige, fantastische Schauspielerin, aber das wirkliche Problem der Serie sind die Studenten und Mitarbeiter, von denen keiner besonders sympathisch ist und die es dem Zuschauer schwer machen, sich für eine Figur zu interessieren.

Diese Defizite sind offenbar auch den Drehbuchautoren aufgefallen. Im letzten Drittel der 2. Staffel wird daher eine Handlungskonstruktion entworfen, die komplizierter nicht sein kann und doch, das kann man wohl sagen, gerade deswegen sehr beeindruckend ist. Die Morde und Todesfälle aus der ersten Staffel werden mit der Vergangenheit und aktuellen Situation des Studenten Wes verknüpft, zu dem Annalise Keating ein besonderes Verhältnis zu haben scheint. In häufigen Rückblenden werden die Schwangerschaft und ein Rechtsfall von vor 10 Jahren erzählt mit dem aktuellen Fall verknüpft, wo es ebenfalls um Adoption und Elternschaft geht. Die beeindruckende Handlungskonstruktion am Ende macht dem Zuschauer die Figuren aber trotzdem nicht sympathischer.

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